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Eintüriger Schrank, Graubünden/Engadin, 17./18. Jh.

In Arve- und Fichtenholz, der schlanke Korpus mit eingegrateten Deckel, Boden und Tablaren, die Front mit Holznägeln fixiert, die Türe dreht an schlichten Agraffen-Scharnieren, die Füllungsfelder auf den Lesenen und der Türe sind aus dem Vollholz herausgearbeitet und die Kanten profiliert, oben links eine Ergänzung wohl aus dem frühen 20. Jh., auf der Seite rechts unten massive Brandspuren, die inwendig neuzeitlich restauriert wurde, Geschirrschrank aus einer Küche (Chadafö) mit offenem Feuer – daher die dunkle Russpatina und Brandflecken, an der Türe diverse Merkmale verschiedenster Schliessmechanismen (Stoss-, Drehriegel), das Schloss aus derselben Epoche aber wohl nicht ursprünglich an diesem Schrank, dezent restauriert in bestem Zustand.
86 x 39 x 155 cm

Möbelgeschichten von Tim Krohn

Der Schwarzschrank

Als mein Grossvater noch ein Kind war, schloss er sich gern im Küchenschrank ein. Er kletterte ins mittlere Fach zwischen die Vasen und Krüge und zog die Tür ins Schloss, um von Amerika zu träumen, dorthin waren zwei seiner Onkel ausgewandert. Er war ein sehr kleines Kind, das kaum Platz wegnahm. Nur schlief er beim Träumen oft ein, und einmal rollte ein brennendes Scheit aus der Feuerstelle und setzte den Schrank in Brand. Die Mutter war gerade draussen gewesen und hatte Wäsche gehängt. Die Küche war voller Rauch, sie tastete sich zum Schrank vor und zerrte den Jungen heraus. Er hatte noch immer selig geschlafen. Aber die Mutter bekam vom Schreck Fieber, und der ältere Bruder des Jungen brachte am Schrank einen Riegel an, damit er sich nicht mehr verkriechen konnte. Nach Amerika kam er auch nie.

CHF 11'800.–

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