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Türe, Graubünden, 16./17. Jh.

In Lärchenholz mit dunkler Russpatina innen und verwitterter Aussenseite, Bretterkonstruktion mit Gratleisten, Balkenschloss mit Schieberiegel, eiserne Langbänder, in der Mitte der Türplatte ein unförmiger Flick, auf der Innenseite mit hölzerner bzw. eiserner Leiste mehrfach gesichert, möglicherweise die Folgen einer „räuberischen“ Tat…, Türe wohl aus dem Cuort (Keller) oder schlichter Chadafö (Feuerhaus/Küche), nicht restauriert in tadellosem Zustand.
83 x 144 cm

Möbelgeschichten von Tim Krohn

Die aufgebrochene Tür

Unser Nachbar Hermann Gross, Polizist und ein Nachfahre des berühmten Major Gross, hatte eine Tür im Hausflur stehen, einfach so an die Mauer gelehnt. Wenn wir als Kinder bei ihm tobten – denn er hatte auch Kinder, und wir besuchten uns gegenseitig –, mussten wir aufpassen, dass die Tür nicht umfiel. Der Tür hätte das nicht viel ausgemacht, aber uns. Wir durften versuchen, sie in die Höhe zu stemmen, was uns natürlich nicht gelang. «Der Einzige», erzählte er, «der sie aus den Angeln heben konnte, war Wilhelm Tell. Das war seine Kerkertür, damals in Altdorf. Er hat mit der blossen Faust ein Loch hineingeschlagen, so konnte er aussen das Schloss öffnen. Es ist nämlich nicht wahr, dass er erst auf dem Vierwaldstättersee geflohen ist.» Das leuchtete mir nicht ganz ein. «Wieso musste er sie denn noch aus den Angeln heben, wenn sie schon offen stand?» Hermann Gross gab sich nicht die Mühe, mir den Widerspruch zu erklären, sondern sagte finster: «Tü esch ün trettel aint illa lanterna», was sich am ehesten mit ‘Stinkstiefel’ übersetzen lässt. «Pass nur auf, dass aus dir kein Halunke wird!» Das war das letzte Mal, dass ich in seinem Haus war.

verkauft

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